Reutlinger Generalanzeiger über Nachhaltigkeit bei Gerhard Rösch

Reutlinger Generalanzeiger über Nachhaltigkeit bei Gerhard Rösch

Rösch – Nachhaltigkeit ist Trumpf. Saba-Projekt in China. Partner einer Baumwoll-Initiative in Afrika

Biofutter für die Seidenraupen

VON FRANZ PFLUGER

 

TÜBINGEN. »Gott sei Dank wird über die Arbeitsbedingungen auf der Welt, insbesondere in der Textilindustrie, nachgedacht und diskutiert«, sagen im Gespräch mit dem GEA Anna Evita Rösch, zuständig für das Produktmanagement, und Andreas Söffker, Geschäftsführer bei der Rösch GmbH (Tübingen). Ihnen kommt das sehr entgegen, denn »wir sind der einzige Hersteller von Nachtwäsche und Bademoden, der transparent, nachhaltig und ethisch korrekt, und mit großer Transparenz arbeitet«, heißt es selbstbewusst in einem weiteren Zitat. Mit dem Aufkleben eines Biolabels sei es nicht getan, kritisiert Söffker eine Praxis, die angeblich nicht selten ausgeübt wird.

»Wir sind dabei, die Modewelt zu erobern«, sagt Andreas Söffker und nennt Beispiele. Der Mittelständler Rösch wird Hauptdarsteller bei der Vogue-Nacht in Düsseldorf sein – ein großes gesellschaftliches Ereignis. Rösch präsentiert dort am 6. September eine Modeschau und tritt mit Models auf. Am 12. September ist das Life-Style-Unternehmen beim 180,jährigen Geburtstag von Jelmoli in Zürich, dem bekanntesten Kaufhaus in der Schweiz. »Auch dort sind wir Hauptdarsteller.« Eine Pressekonferenz zum Thema »Organic Silk« aus China steht am Anfang des Ereignisses. In der zweiten Augusthälfte folgt der Auftritt bei Harrods in London. Zu der Zeit kommen die Gäste aus den Emiraten. Auftritte in Florenz und Milano folgen.

Für die privilegierte Frau

»Wir wenden uns mit den beiden Marken Rösch und Louis Féraud (Lizenzfertigung) an die privilegierte Frau«, unterstreicht der neue Geschäftsführer, der vorher bei Falke gearbeitet hat. Im Bewusstsein, dass es auch weniger privilegierte Frauen gibt, ist Rösch auch sozial tätig. Ein Beispiel: Vor Kurzem wurde ein Rösch-Einzelhandelsgeschäft in Hamburg-Blankenese eröffnet. Für jedes Teil, das dort in den ersten zwei Wochen gekauft wird, geht ein Pyjama oder Nachthemd an das autonome Frauenhaus Hamburg und ein Kinderpyjama an ein Kinderheim. 400 bis 500 Teile dürften da schon zusammenkommen. In Hamburg Blankenese steht bisher der einzige eigene Shop. Weitere Geschäfte sollen in München, Berlin, Baden-Baden, Bad Kissingen und Bad Nauheim entstehen. Im internationalen Bereich wird an Luzern gedacht. Auf der anderen Seite gibt es natürlich noch den Vertrieb über den Fachhandel und Kaufhäuser, in denen Rösch immer mehr die eigene Verantwortung übernehme.

Mit Nachtwäsche, Homewear und Loungewear sowie Bademoden und später noch Activewear möchte Rösch in diesem Jahr 22,5 Millionen Euro Umsatz machen. »Wir sind auf Wachstumskurs.« Rösch hat circa 3 000 Kunden, davon etwa 1 000 in Deutschland. Söffker formuliert ein ehrgeiziges Ziel: Dieser Umsatz soll bis Ende 2018 verdoppelt werden. Der Konzernumsatz, zu dem auch noch die Rökona GmbH mit ihren technischen Textilien gehört, dürfte deutlich über 50 Millionen Euro liegen. 600 Mitarbeiter werden in der Gruppe beschäftigt, circa 360 davon in Tübingen. Dem Unternehmen Rösch sind 220 Mitarbeiter einschließlich des Betriebes in Ungarn, der jedoch für Rösch und Rökona fertigt, zuzuordnen.

Nachtwäsche habe im Handel in der Vergangenheit einen Dornröschenschlaf geführt, meint Söffker. »Wir haben den Luxus, in einer Branche zu arbeiten, mit der jeder Mensch in Berührung kommt. Mit zunehmendem Stress würden die Menschen das auch bewusster wahrnehmen. Söffker will die Funktion der Nachtwäsche mehr im Vordergrund sehen. Was ein normales T-Shirt nicht leisten kann, könne ein entsprechendes Nachthemd aber leisten.

Zur Nachhaltigkeit gehört natürlich die Produktion. Beispielsweise wird die Seide beim Partnerbetrieb Alkena in Chengdu in der Provinz Sichuan hergestellt – mittlerweile ein Vorzeigebetrieb im Reich der Mitte. Das alles ist Teil eines Projektes mit dem Namen Saba. Saba steht für Sichuan Alkena Biodynamic Agricultural. Von chinesischer Seite gibt es Regierungsprogramme, die die Wirtschaft auf Nachhaltigkeit umstellen. Zum Start des Projektes, an dem noch andere Betriebe beteiligt sind, wurden 600 000 Maulbeerbäume in Mischkultur auf einer Fläche von 200 Hektar für die Seidenraupenzucht angepflanzt. Es ist Biofutter für die Seidenraupen. 200 neue Arbeitsplätze sind dort entstanden.

Faire Löhne

Faire Löhne sind Bestandteil des Projekts. Rösch zahlt in der Näherei 2 350 Renminbi bei einer 44-Stunden-Woche. In der Bügelei 2 450. Überstunden werden mit dem 1,5-Fachen vergütet. Der offizielle Mindestlohn liege bei 1 100 Renminbi. Der von der Fair-Wear geforderte Lohn, der für eine dreiköpfige Familie definiert ist, liegt bei 2 100 Renminbi (circa 260 Euro).

Die Seide wird in China weiterverarbeitet und konfektioniert. Entwickelt werden die Modelle in Tübingen. Die erste Lieferung bestand aus 7 000 Teilen. In der Jahresplanung 2014 wird von 20 000 Teilen ausgegangen. Rösch wird Mitte Mai des kommenden Jahres eine Reise dorthin veranstalten. Auf Wunsch können Interessierte die Reise buchen. Der Konsument oder der potenzielle Kunde soll das alles auch anschauen können.

Ganz neu: Rösch ist seit dem 17. Juni neuer Partner der Initiative Cotton Made in Afrika (CmiA). Die Partnerschaft unterstützt den Anbau nachhaltig produzierter Baumwolle. Die erste Kollektion wird im Herbst-Winter 2014 erhältlich sein. Die Initiative schaffte eine Allianz von internationalen Textilunternehmen, die die Baumwolle der rund 435 000 Kleinbauern einkaufen und weiterverarbeiten. Von der Arbeit der Initiative Cotton Made in Afrika profitieren 2,5 Millionen Menschen in Burkino Faso, Benin, Sambia, Cote d Ivoire, Mosambik und Malawi. Der Baumwollpreis für die Bauern dort ist garantiert. Die Lizenzgebühr, die Rösch zahlt, fließt zu 100 Prozent in Projekte für Kinder vor Ort. (GEA)

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