Interview der Woche Part 3/5 – Andreas Söffker über den Trend „Bio“ und ethisch korrekte Produkte

Interview der Woche Part 3/5 – Andreas Söffker über den Trend „Bio“ und ethisch korrekte Produkte

Gerade geht der Trend zu „Bio“. Jeder hat „Bio“ bzw. vermarktet unter „Bio“. Was unterscheidet uns von den Anderen?

Ich glaube man muss zunächst eine massive Unterscheidung treffen, zwischen „Bio“ und Nachhaltigkeit. In einem familiengeführten Unternehmen wie unserem, ist Nachhaltigkeit Programm. Wir machen eigentlich schon sehr viel länger Nachhaltigkeit als wir das richtig nach draußen tragen. Man könnte etwas flapsig sagen, wenn die vierte Generation des Firmengründers, wie auch schon der Papa, in den Betriebskindergarten geht, dann zeigt das, wie nachhaltig wir sind. Die Firma ist nicht für Quartalsberichte aufgebaut oder dafür sie möglichst schnell, möglichst gewinnbringend zu verkaufen, sondern sie über mehrere Generationen zu erhalten und sichere Arbeitsplätze zu bieten. Das ist in unseren Augen Nachhaltigkeit und dafür stehen wir.

Auch unsere Produkte sind nachhaltig, weil wir per se keine Wegwerfmode machen, sondern Produkte herstellen, die sehr, sehr lange halten.

Hier gibt es zwei Aspekte. Der erste Punkt ist, egal wie ich ein T-Shirt herstelle, der Wasserverbrauch bei einem T-Shirt aus Bio-Baumwolle ist wesentlich höher, als bei konventioneller Baumwolle und das wiederum steht in direktem Zusammenhang mit einem der größten Umweltprobleme, dem Wasserverbrauch. Wenn ich ein Bio-Produkt herstelle, das nur drei Monate halten soll, dann kann das per se nicht nachhaltig sein. Der zweite Punkt ist, dass man über Bio-Baumwolle sehr lange streiten kann. Bio-Baumwolle wird hauptsächlich in der industrialisierten Landwirtschaft hergestellt auf riesigen Flächen, die man eigentlich für die Herstellung von Nahrungsmittel brauchen könnte, zudem in trocknen Gebieten, die massiv bewässert werden müssen, weswegen der Wasserverbrauch noch höher ist.

Und es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, Bio wird oftmals unter dem Standpunkt betrachtet, welche Schadstoffe könnten den Verbraucher hier bei uns belasten und weniger, was passiert eigentlich vor Ort bei der Herstellung. Und genau da kann man den Bogen zu Ethik schlagen. Gerade große Marken reagieren und sagen, „Wir wollen uns bis 2020 auf die gute Seite bewegen und nur noch Bio-Baumwolle verwenden“. Dies ist allerdings erstens unrealistisch, denn nur ein Prozent des Weltmarktbedarfs wird mit Bio-Baumwolle gedeckt. Wir werden nie alles damit abdecken können, es sei denn, wir stellen die Nahrungsmittelproduktion ein. Zweitens heißt die Tatsache, dass man ein Bio-Label an der Kleidung hängen hat nichts. Die letzte mir bekannte Zahl sind hier allein 360 verschiedene Labels.

Man muss wirklich sagen, es ist weitaus günstiger Bio-Stoffe zu kaufen, als faire Löhne oder Arbeitsbedingungen zu schaffen. Bei uns liegt der Schwerpunkt ganz klar auf der Ethik und fairen Arbeitsplätzen. Uns geht es vor allem darum, den Leuten vor Ort gute Bedingungen zu schaffen und nicht nur hier bei uns ein gutes Gewissen zu haben. Wir arbeiten absolut transparent, prüfen alles vor Ort und verlassen uns nicht auf irgendwelche Zertifizierungen, auch nicht wenn sie von Fair Wear sind und das ist sicherlich schon mit das Kritischste, was man bekommen kann. Jeder darf wissen, dass wir in Chengdu produzieren und jeder kann die Telefonnummer des CEO haben. Wir veranstalten sogar Reisen dorthin.

Das ist im Übrigen auch der Grund, warum wir uns, im Gegensatz zu Bio-Baumwolle, für Cotton made in Africa entschieden haben. Ab der Saison Frühjahr/Sommer 2014, das heißt ab dem Liefertermin Oktober 2013, werden wir einen überwiegenden Teil der Baumwollkollektion mit Cotton made in Africa ausstatten. Dort wird die Baumwolle im Fruchtwechsel angebaut. Das ist sicherlich nicht ganz pestizidfrei, sorgt aber dafür, dass auf den Feldern noch Nahrungsmittel angebaut werden können und findet nur im kleinbäuerlichen Anbau statt. Der Preis wird dabei garantiert und die Lizenzgebühr die man dafür bezahlt Mitglied zu werden, übrigens bevor man einkaufen kann, wird komplett für Schulen und Bildung verwendet. Wir können auch dort ganz genau nachvollziehen, wo kommt die Baumwolle her und wie groß ist das Schulhaus, das dort vor Ort steht und wie viel Lehrer etc sind dort angestellt. Und das ist es, was uns von anderen unterscheidet, einmal die Betonung von Ethik mit fairen Arbeitsplätzen und von totaler Transparenz.

800 Mrd. € werden in der Modebranche umgesetzt, nur 1% fällt dabei für ethisch korrekte bzw. sozialverträgliche Produkte ab – woran liegt das? Wie kann man deiner Meinung nach diesen Wert anheben?

Man sieht diese Entwicklung auch schon bei anderen Produkten und das geschieht nicht von heute auf morgen. Von den ersten belächelten Bioläden bis hin zu Discountern die Bio verkaufen, war es ja auch ein etwas längerer Weg. Das Bewusstsein wächst sehr deutlich, allerdings ist eine Hemmschwelle sicherlich der Handel, das muss man leider sehr deutlich sagen – insbesondere in unserer Branche. Die Händler sind in ihrem Denken wesentlich weniger weit, als die Verbraucher. Das heißt der Verbraucher hat durchaus den Wunsch, ethisch korrekte Bekleidung zu kaufen, findet sie aber einfach nicht und kauft deshalb etwas anderes und ganz häufig nichts. Dies lässt sich deutlich an den Zahlen des deutschen bzw. schweizer Einzelhandel ablesen. Wenn man sich mal umhört, dann hat der Verbraucher oftmals absolut keine Lust Textilien zu kaufen, weil er permanent ein schlechtes Gewissen hat. Und das ist meiner Meinung nach absolut nachvollziehbar.

Es gab jetzt einen riesigen Skandal um Bananen aus Costa Rica, die unter unmenschlichen Bedingungen angebaut werden. Da verliert der Konsument deutlich die Lust, Bananen zu kaufen, auch wenn drauf steht sie kommen nicht aus Costa Rica. Nichts anderes passiert gerade im Textilbereich. Der Verbraucher wäre sehr dankbar, wenn er attraktive Textilien bekommen würde, die aber transparent und nachhaltig zeigen, „Wir sind ethisch korrekt hergestellt!“.

Für uns als Hersteller bedeutet das die passenden POS zu finden und da müssen wir feststellen, dass viele Händler sich vom Denken ihres Publikums weit entfernt haben. Lösen können wir das nur, in dem wir attraktive Produkte anbieten. Die Reihenfolge muss so sein, dass der Kunde in den Laden kommt und feststellt da hängt ein attraktives Teil und es wurde sogar fair produziert. Dann werden wir uns auch sehr schnell durchsetzen, wir müssen nur intelligente Lösungen anbieten um die Kunden erreichen und überzeugen zu können – deshalb machen wir die ganzen Marketingevents.

Fairerweise muss man auch sagen, dass es von vielen Händlern immer noch heißt „Der Kunde schaut nur auf den Preis“. Das ist zweifellos für einen Großteil der Gesellschaft richtig. Das werden wir jedoch nicht ändern können, so lange wir diese massive Ausdifferenzierung innerhalb der Gesellschaft haben. Wir wenden uns an die privilegierte Frau und das ist uns vollkommen klar.

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