Interview der Woche Part 4/5 – Andreas Söffker darüber was wir als Gerhard Rösch GmbH gegen katastrophale Arbeitsbedingungen machen können

Interview der Woche Part 4/5 – Andreas Söffker darüber was wir als Gerhard Rösch GmbH gegen katastrophale Arbeitsbedingungen machen können

Über 1000 Menschen sterben bei einer Katastrophe in Bangladesch, sie alle arbeiten unter katastrophalen Umständen – doch wo ist die Alternative? Ohne Job müssen sich Kinder prostituieren – Was können wir als Gerhard Rösch GmbH dagegen tun?

Eigentlich genau das, was wir machen – nämlich mit unseren wirklich bescheidenen Mitteln, faire Arbeitsplätze anbieten. Wir machen dies jetzt zugegebener Maßen in China und nicht in Bangladesch, aber es gibt ja viele Firmen die wesentlich größer sind als wir und die reichlich Möglichkeiten hätten. Das ist eine Aufforderung an all diese Firmen deutlich bessere Löhne vor Ort zu zahlen, was sich wiederum vergleichsweise geringfügig auf den Verkaufspreis auswirken würde, da die Herstellungskosten bei Premium-Marken den geringsten Teil der Kalkulation ausmachen. Das Ganze ist eigentlich nur eine Frage des Wollens. Es benötigt außerdem den Willen der Firmen, sich nicht mit Labeln zu genügen sondern wirklich vor Ort zu gehen und sich ein Bild von den Bedingungen zu machen.

Wir haben mit Organic Silk jetzt ein erstes Projekt und werden unser Tun ausweiten und auch nach Laos gehen. Dies ist ein ganz wichtiger Schritt ist in diesem Land, das sich noch ganz am Anfang der Entwicklung befindet. Wir haben uns sowieso als Ziel vorgenommen, kleinere lokale Projekte zu unterstützen. So sind wir derzeit beispielsweise auch auf der Suche, wo wir neue Pareos beschaffen können. Diese können durchaus in Handweberei entstehen und dafür gibt es in Indien sehr sehr gute Projekte. Das Wichtigste ist allerdings, dass wir laut und deutlich kommunizieren, dass man extrem attraktive Produkte machen kann und dabei Löhne zahlen, die noch deutlich über den Löhnen von Fair Wear liegen. Damit setzen wir natürlich ein Zeichen an die Konkurrenz und stellen die Frage in den Raum „Warum macht ihr das eigentlich nicht?“ Wir gehen mit diesem Thema sehr offensiv um und üben somit gewollt Druck auf die anderen aus. Wenn wir das als kleiner Mittelständler können, warum könnt ihr das dann nicht?

Denkst du wir sind da an einer Kehrtwende angekommen, wo die Menschen anfangen umzudenken oder kommt der richtige Schlag erst noch?

Ich denke die Firmen werden das wie immer machen, und zwar so billig wie möglich, das haben wir eigentlich bisher in jeder Branche so gesehen. Mittlerweile ist mein Empfinden, dass man versucht über ein Ökolabel von den Arbeitsbedingungen abzulenken. Es geht uns ja allen so, auch mir – sieht man irgendwo das Biolabel, dann erweckt das natürlich sofort Sympathie und diese Taktik scheint zunächst mal für viele aufzugehen.

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