Interview der Woche Part 1/5 – Andreas Söffker über den Spagat zwischen Sport und Beruf

Was treibt einen erfolgreichen Marathonläufer zu Gerhard Rösch bzw. überhaupt in die Modebranche?

Ich bin schon etwas länger in der Modebranche, wobei ich als Jugendlicher eigentlich nie etwas mit dieser Branche zu tun haben wollte. Ich komme aus einer typischen Textilfamilie und daher hat sich meine ganze Kindheit um Textilien gedreht. Genau deshalb, um etwas ganz anderes zu machen, habe ich Germanistik und Geschichte studiert, bin dann aber über das eigene Sporttreiben zu Sporttextilien gekommen und über Sporttextilien bei der Marke Falke gelandet. Zumindest in der Zeit als Geschäftsführer dort  habe ich mich dann jedoch deutlich mehr mit Herren- und Damenstrümpfen und damit typischen Modeaccessoires beschäftigt.Zudem haben wir bei Falke sehr erfolgreich eine Sportwäschelinie gelauncht, die dank ihrer starken modischen Ausrichtung auch viel Verwendung in der Tageswäsche fand. Der Schritt zu Rösch war dann nicht mehr groß und als erfahrener Marathonläufer hat man ja ein Auge für Konkurrenten, die in der zweiten Hälfte nochmal richtig aufdrehen können-und das kann Rösch.

Außerdem kommt noch eine kleine persönliche Anekdote dazu. Ich habe in Tübingen studiert und kenne die Firma Rösch daher seit langen Jahren. Ich war vor vielen Jahren jeden Freitag in der damals bestehenden, betriebseigenen Sauna des Unternehmens, weil der Vater meines damaligen Trainingskollegen der damalige Vertriebsleiter der Firma Rösch war. Jetzt  habe ich praktisch viele Jahre später die Gelegenheit „Dankeschön“ zu sagen für das, was ich damals nutzen durfte. Dies war unter andrem auch ein 14-tägiger Aufenthalt im Ferienhaus von Herrn Rösch Senior auf Spiekeroog.


Was ist dein Erfolgsrezept Sport und Beruf unter einen Hut zu bekommen?

Nicht ganz einfache Frage, aber ich glaube, dass ein wichtiger Bestandteil darin liegt, den Fokus auf das Wesentliche zu legen.

Wenn man sich den Sport anschaut den ich mache, dann kann man sagen, dass sich dieser, entgegen der landläufigen Meinung, mit extrem wenig Aufwand bewerkstelligen lässt. Natürlich laufe ich um die hundert Kilometer die Woche, allerdings laufe ich grundsätzlich ohne Trainingspartner, was bedeutet, dass ich keine Wartezeit habe und mich mit niemandem absprechen muss, d.h. Trainingszeit ist Netto-Trainingszeit. Mit ganz wenigen Ausnahmen trainiere ich ausschließlich morgens, bevor ich zur Arbeit komme, d.h. es fällt die Trainingsnachbereitung wie duschen etc. weg, da man dies am Morgen ja sowieso machen sollte. Ich glaube, dass es mich, wenn ich wie üblich 15 min Kraft/Gymnastik mache und dann 70 min laufe, effektiv nur  40 min mehr kostet, als wenn ich normal aufstehe, weil ich einfach nach dem Training viel schneller fit und auf den Tag eingestellt bin.

Außerdem habe ich die Entscheidung getroffen weniger Rennen zu laufen, um den Aufwand für meinen Sport geringer zu halten und  fokussiere ich mich auf das Wesentliche, nämlich das Trainieren. Für mich gilt der gute alte Satz von Haile Gebrselassie: „Wer langsam läuft, hat zu viel Zeit“. Im Gegensatz zu früher habe ich das Training umgestellt. Ich trainiere wesentlich intensiver und dadurch aber auch wesentlich weniger und immer nach der Maxime „ You get, what you train for“ – überlege mir also bei jeder Einheit, wofür sie eigentlich dienen soll – übrigens auch im Beruf ein guter Grundsatz.

Außerdem verbinde ich diese Zeit am Morgen auch gleich mit meinem Job. Alles was ich an Vorträgen halte, formuliere ich grundsätzlich während des Laufens. Deswegen gibt es auch nie Manuskripte. Ich baue mir ein Gerüst im Kopf und dann entsteht die komplette Rede. Das ist ein weiterer Schritt, meine Zeit möglichst effektiv zu nutzen. Auch im Beruf selber ist es mir wichtig immer möglichst zielgerichtet zu arbeiten. Wegzukommen von dem Motto „Lang bleiben = Gut“. Natürlich bin ich oft sehr lange in der Firma, aber es darf nie zum Selbstzweck werden.

Gibt es etwas im Sport, was du ins Geschäftsleben adaptieren kannst?

 
Das ist eigentlich eine ganze Menge. Zum einen ist es dieses Fokussieren auf das Wesentliche, d.h. mit weniger Zeiteinsatz und härterer Arbeit mehr zu erreichen und dadurch auch das zielgerichtete Arbeiten. Der gute alte und schon zitierte Ansatz „You get, what you train /work) for) findet auch hier Anwendung.Wenn ich zum Beispiel am 14. des Monats einen Marathon laufe, dann weiß ich, dass ich genau an diesem Tag abliefern muss und genauso ist es bei der Arbeit, wenn ein wichtiges Meeting ansteht.

Einen anderen Punkt, den man in meinem Sport überraschenderweise, behaupte ich wesentlich besser, als im klassischen Mannschaftssportler lernt, ist das Teambuilding. Im klassischen Mannschaftssport sagt der Trainer „Wir machen heute Teambuilding“ und dann werden die Maßnahmen umgesetzt. Dies kommt selten von den Spielern selbst. Als Marathonläufer im Leistungssport musst Du Dir das Trainingsteam meistens selber und oft auch vereinsübergreifend bilden. Für ein Trainingslager musste ich mir aktiv Leute suchen, mit denen ich drei Wochen ins Hochland gefahren bin – da musst du dir sehr wohl überlegen, mit wem du das machen willst. Der Konkurrenzkampf darf da nicht so weit gehen, dass man sich überlegt: „Ich geh jetzt nicht Wasser holen, damit ich beim nächsten Training fitter bin.“ Diese Sachen müssen beispielsweise gemeinsam gemacht werden, da merkst du dann wieder aktiv Teambildung. Das hat mir extrem geholfen, auch im Beruf.

Das ist genau dasselbe wie im Büro, da brauchst du nämlich Leute, die dich herausfordern, sonst bringt dir das Trainingslager nichts, aber gleichzeitig musst du andere Dinge mit deinen Kollegen und Mitarbeitern gemeinsam im Team machen können.

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